29.09.2009

Schande Kritik + Trailer

Der fesselnde und immer wieder überraschende Film Schande mit John Malkovich wird vom oberflächlichen Betrachter als "Rassismus-Drama" klassifiziert, schlechtestenfalls auch noch bequem unter "Südafrika/Apartheid" abgelegt. Doch der auf dem mit dem Booker Preis ausgezeichneten Roman des Literaturnobelpreisträgers J.M. Coetzee* basierende Film ist viel genialer, als diese Klassifizierung vermuten lassen würde. Coetzee hat sich wohl zu Herzen genommen, dass heutzutage fast jeder eine Vorstellung davon hat, was Rassismus ist, doch dass das Verständnis des Sexismus, trotz der vielen offensichtlichen Parallelen in der Familie der -ismen, in großen Teilen der Weltbevölkerung immer noch eher rudimentär ist. Schande zeigt nicht nur diese Parallelen auf, sondern stellt auch noch einen lernwilligen Akademiker in den Mittelpunkt, mit dem der Zuschauer sich identifizieren und auf höchst unterhaltsame Weise eventuell mitlernen kann. Das Drehbuch für diesen sehenswerten Film stammt von Anna Maria Monticelli, Regie führte ihr Ehemann Steve Jacobs. Beide fungierten auch als Produzenten. (Hier geht's zum Buch: Schande)

Der 52-jährige Literaturprofessor David Lurie (super: John Malkovich, Der fremde Sohn), hält sich für einen gebildeten Schöngeist, der in dieser schnöden Welt als Außenseiter angesehen wird, was einer Auszeichnung gleichkommt. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn Dichter wie Lord Byron haben "Helden" erschaffen, mit denen sich Lurie identifizieren kann und deren Werke er nur zu gerne seinen Studenten vorstellt. Diese Werke sind seit jeher fester Bestandteil des Kanons, ihnen gebührt Bewunderung und Ehrfurcht, mit ihnen müssen sich auch die weiblichen Studenten wohl oder übel beschäftigen. Den Studentinnen wird vom verklärt dreinguckenden Prof auch noch abverlangt, Sympathie für den "leidenden Helden" aufzubringen. [Immer mit der vorsichtigen Formulierung "der Autor will" u. ä. Trotz Brechreizes werden während den Vorlesungen oft hitzige Debatten geführt, die ich erst in meinem senior year als "nicht die Energie wert" mit zusammengebissenen Zähnen nicht mehr geführt habe. Die Studentinnen im Film halten den Mund, gucken aber auch nicht begeistert...]

Selbst der Privatmensch David ist geprägt von dem, was er an seine Studenten weitergibt, ist fasziniert von der Romantisierung des Bösen, des Brutalen, des Animalischen und hört selbstverständlich nur klassische Musik. Er versucht, in einer Kultur zu leben, die es bei seiner Geburt fast schon nicht mehr gab. Er will der König seines Universums sein, damit er gönnerhaft über Frauen, Kinder und Tiere herrschen kann.

Nachdem ihm seine schwarze Lieblings-Prostituierte den Laufpass gegeben hat, sieht er sich nach Ersatz um. Diesen glaubt er, in der schwarzen Studentin Melanie (Antoinette Engel) gefunden zu haben. Melanie läuft ihm auf dem Uni Campus über den Weg, wo sie - ganz wie in einem viktorianischen Roman - stolpert und hinfällt, woraufhin er ihr galant (und wie auch seine Vorbilder, die fiktiven "Helden", nicht ohne Hintergedanken) auf die Beine hilft.

Melanie fällt auf seine schönen Worte und Versprechen herein. Sie hat anscheinend auch einen Hang dazu, mit dem Feuer zu spielen und die Regeln zu übertreten. Doch als David später ihr NEIN nicht akzeptiert und sie überlegt, wie sich verhalten, wird ihr endlich klar, weshalb sexuelle Beziehungen zwischen Professoren und Studenten [verschiedenerorts generell] untersagt sind [und zwar unabhängig vom Alter der Studenten, denn es geht ja hier um den Punkt der Abhängigkeit/des Machtungleichgewichts und nicht um Minderjährigkeit, z. B. Texas]. Es kommt zu einem Disziplinarverfahren, bei dem weder das Wort sexuelle Belästigung noch Vergewaltigung ausgesprochen wird.

Verständnis für David Luries Taten

In einer Schlüsselszene sehen wir ein Treffen zwischen David und seiner Ex-Frau. Hier wird sehr schön der Konflikt der heterosexuellen Frau aufgezeigt, deren Interessen mit denen des Mannes verbunden sind. Die geschiedene Frau Lurie ist nur allzu bereit, das Opfer zu beschuldigen, die Taten ihres Mannes zu verniedlichen oder gar völlig unter den Teppich zu kehren. Sie interessiert sich gar nicht für die Wahrheit, die ihr David erzählen will. Für sie ist nur wichtig, dass er seinen Job behält, denn sie bekommt schließlich Unterhalt und interessiert sich auch für seinen Pensionsanspruch. Klarer hätte man diesen Interessenkonflikt nicht zeigen können.

Vor dem akademischen Disziplinarausschuss wird David Gelegenheit gegeben, sich zu rechtfertigen. Doch der Akademiker weigert sich, genau wie Meursault in Der Fremde von Existentialist Albert Camus, das übliche verlogene Spiel von Ausreden - Reue - Entschuldigung, aber gefälligst von Herzen! - und dem Klaps auf die Finger mitzuspielen. Er lacht sogar ob der Farce, die das Kommittee zu spielen bereit ist. Therapie? Er sei nicht therapierbar, grinst Lurie fast belustigt. Er sei ein Diener des Eros, das ist Luries einzige Erklärung. Auch den Vorschlag, mit einem Kirchenvertreter zu sprechen lehnt er, genau wie Meursault, kategorisch ab. Meursault bekam die Todesstrafe, David Lurie wird gnädig nahegelegt, die Kündigung einzureichen. Die Szene ist eine Kritik an der schändlichen und durchsichtigen Praxis solcher Gremien - und ein absolut brillanter Riff an/auf Der Fremde, einfach toll. [Aus irgendeinem Grund fällt mir hier ein ähnlich genialer Film ein - Der Vorleser. Mit der darin beschriebenen Beziehung tun sich auch die mainstream Kritiker weniger schwer als mit der Natur von Luries Fehltritt, der in unserer Kultur [immer noch] gerne eher verniedlicht und nicht ernstgenommen wird.]

Durch seine Verweigerung zeigt uns Lurie, dass er kein hoffnungsloser Fall ist. Er mag nicht mit der Kündigung gerechnet haben, aber ist bereit, mit den Konsequenzen zu leben. Der Fluch der Intelligenz ist, dass der Selbstbetrug Grenzen kennt. Arroganz führt manchmal zu sowas wie Integrität. Doch soll das erst der Anfang eines längeren Lernprozesses sein...

Lurie fährt zu seiner erwachsenen Tochter Lucy (Jessica Haines) auf's Land, um dort in Ruhe eine Oper über Lord Byron in Italien zu schreiben. Lucy schaut fast angewidert auf ein Buch von Byron, aber legt sich nicht mit ihrem Vater an. Später will der wissen, was sie liest und verzieht beim Anblick des Romans Edwin Drood von Charles Dickens das Gesicht. (NB: In diesem letzten Roman von Charles Dickens verliebt sich ein Dirigent in seine Schülerin, die bereits verlobt ist und der Verlobte verschwindet später spurlos... Link zum Roman: Das Geheimnis des Edwin Drood)

Wir erinnern uns an den Interessenkonflikt der heterosexuellen Frau? Lucy ist lesbisch und lebt, wie David bemerkt, "weit weg". Lucy lebt seit dem Scheitern ihrer Liebesbeziehung alleine mit ihren Hunden, züchtet Blumen und Gemüse. Einzig der Schwarze Petrus (Eriq Ebouaney, Transporter 3, demnächst: Durst) geht in Lucys Haus ein und aus und hilft ihr mit den Hunden, was David eher besorgt als erleichtert.

Der Mann und sein Dilemma, die Frau und der liebe Frieden

Kurz darauf werden David und Lucy von drei Schwarzen überfallen - David kommt mit einem blauen Auge und ein paar Verbrennungen davon, Lucy wird vergewaltigt. Für David ist das eine ganz neue Erfahrung: Machtlosigkeit. Er ist wütend und besorgt, will mit Lucy sofort umziehen. Doch diese macht ihm klar, dass sie in dieser von Männern geschaffenen und von Männern geprägten Welt leben muss, egal wo das ist, und dass sie keine Lust hat, sich wieder verjagen zu lassen. Dass Vergewaltigungsprozesse nach wie vor auch für das Opfer unangenehm sind und in lächerlich geringen Strafen (vor allem verglichen mit Delikten, die mit Geld zu tun haben) resultieren, schwang in einer früheren Szene schon mit.

David kann das Verhalten seiner Tochter nicht verstehen. Sie weiß, wie es sich anfühlt, unterdrückt zu werden. Nicht nur als Frau, sondern besonders auch als lesbische Frau hat sie bestimmt genug Erfahrung mit Diskriminierung gemacht und kann deshalb ein Stück weit auch die Wut der Täter nachvollziehen.

Wenn aus Opfern später selbst Täter werden, ist das keine einfache Situation, besonders wenn die Täter von damals ungeschoren davonkamen. Da gibt es den bitteren Nachgeschmack, das Gefühl, ein neues Unrecht begangen zu haben, wenn man den "Opfer/Täter" bestraft. Vielleicht sind deshalb die Strafen für Gewalttäter oft so erschreckend milde.

Die frisch befreiten Männer in Schande haben eben auch die Möglichkeit, ihrer Wut (und Rachsucht) durch die Gewalttat der Vergewaltigung Ausdruck zu verleihen. In der Anfangszeit der "Emanzipationswelle" und teils heute noch wird über "wütende" oder "emotionale" Frauen die Nase gerümpft, die der eine oder andere ältere und/oder unbelehrbare Schreiberling sogar heute noch (ohne Korrektur am nächsten Tag) als "hysterisch" beschreiben darf. (Wieso das Wort nicht akzeptabel und schon gar nicht druckfähig ist/sein sollte? siehe hier.)

Die erfahrene Lucy ist traurig, aber sie bleibt standhaft. So etwas kommt von so etwas, das ist nichts Neues, damit muss man leben, so man keinen Krieg haben will. David ist angefressen und schnappt nach Luft ob des Unrechts. Er liebäugelt damit, den einfachsten Weg zu gehen und den Vorfall als Rechtfertigung für seinen Rassismus zu nehmen, doch Lucy lässt das nicht zu. Petrus erklärt David, dass Lucy sehr weitsichtig ist und nicht in der Vergangenheit festhängt. Nur mit dem Blick nach vorn kann Frieden herrschen. Davids Fluchtversuche in die Welt Lord Byrons werden immer wieder durch Lärm unterbrochen, der von Errungenschaften der Neuzeit kommt.

Es ist die Figur der Lucy, die ihrem intelligenten und lernbereiten Vater durch den schmerzlichen Prozess der Selbsterkenntnis zur Seite steht, ihm Anregungen gibt und durch ihre Taten als gutes Vorbild fungiert. Wir wollen uns jetzt nicht dazu äußern, dass die Opfer wieder einmal die Täter durch die Dunkelheit zum Licht führen müssen. Eine altbekannte Tatsache und etwas, das einen ärgern kann. Ein trauriger Moment, wenn selbst Lucy in Verhandlungen treten und sich arrangieren muss....

David Lurie zieht anfänglich immer wieder die Es-liegt-eben-in-der-Natur-des-Mannes-Karte. Den Stand seiner Entwicklung sehen wir an seinem Verhältnis zu den Hunden, die in einem Tierheim auf den Tod warten. Im Laufe des Films ändert sich Davids Standpunkt langsam, bis er endlich in einer traurigen Szene seiner Ausrede den Todesstoß versetzt und sie zu Grabe trägt. Davor wird sein Fortschritt auch kurz in einer Szene mit einer schwarzen Prostitutierten gezeigt. Dieses Mal gibt's keine klassische Musik, kein bequemes Bett, keine Pseudo-Romantik und keinen Geschlechtsverkehr.

Die letzte Einstellung zeigt das alte und reparaturbedürftige Haus von Lucy zusammen mit dem neu gebauten Haus von Petrus. Im Raum hängen Fragen. Frieden? Fauler Kompromiss? Leuchtendes Beispiel? Und auch: David Lurie hat eine Entwicklung durchgemacht und kämpft sich durch das bekannte "Dilemma des weißen Mannes, der sich in der Gegenwart verloren und nutzlos fühlt". Was wird aus Petrus und was aus seinem Schwager werden? Andere Farbe, gleicher Machismo, der wieder Jahrzehnte der Geduld und zusammengebissenen Zähne in Anspruch nehmen wird?

Ähnlich interessant wie Schande ist auch die vor ein paar Jahren erschienene spannende Literaturadaption In den Süden (OT: Vers le Sud) mit Charlotte Rampling als Sextouristin. Auch dort werden Parallelen gezogen zwischen Frauen (hier: Frauen weit jenseits 40, die aufgrund ihres Alters für die Männerwelt ihrer Kultur uninteressant bzw. völlig unsichtbar geworden sind) und dunkelhäutigen Männern. Altersdiskriminierung : Rassismus. (zur DVD: In den Süden)

*) Coetzee wurde in Südafrika geboren, wanderte allerdings nach Protesten wegen Schande nach Australien aus und ist jetzt australischer Staatsbürger. (Der ebenfalls in Südafrika geborene Neill Blomkamp, Autor und Regisseur von District 9, hält sich heute auch nicht mehr dort auf, sondern lebt in Kanada.)

Schande -- Genre: Drama -- deutscher Kinostart: 17.09.09 -- Länge: 120 Minuten -- FSK: nicht bewertet
Drehbuch: Anna Maria Monticelli, basierend auf dem Roman von J.M. Coetzee
Regie: Steve Jacobs

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District 9 Kritik + Trailer

Gerade noch rechtzeitig zum offiziellen deutschen Kinostart von District 9 kam die gute Nachricht: Regisseur Neill Blomkamp gewann den Publikumspreis Fresh Blood (Regie-Nachwuchspreis) des Fantasy Film Fests für den sozialkritischen Sci-Fi/Action Film District 9, seinen ersten Langfilm. Den hat er auch verdient! District 9 spart nicht mit Hinweisen auf reale Situationen, lässt sich inspirieren von Geschichte und Weltgeschehen und ist auch noch ein spannender und interessanter Vertreter der Genres. Trotzdem die Geschichte in Südafrika (Geburtsort des Regisseurs) spielt und dort auch gedreht wurde, sind die aufgegriffenen Themen von District 9 überall auf der Welt relevant.

Vor 20 Jahren strandete ein Raumschiff mit 1 Mio. Aliens an Bord über Kapstadt. Die nicht gerade knuffig aussehenden Kreaturen stellen zwar keine Bedrohung für die Menschheit dar, aber sie nutzen auch nichts. Ihre eindrucksvolle Technologie funktioniert nämlich nur in Alien-Hand! Sie leben in ihrem als District 9 bekannten Ghetto vor sich hin, ernähren sich von Katzenfutter und pflanzen sich fort - derzeit gibt's 1,8 Mios. Von den Menschen werden sie wegen ihres Aussehens nur als Prawns (Garnelen) bezeichnet. Hinterhältige Händler kommen mit dem Katzenfutter zum District 9, um bei der Gelegenheit vielleicht auch einen Weg zu finden, wie sie die Waffen nutzen können. Bisher waren alle Versuche vergebens. (Foto rechts: Der verhaftete Alien Christopher © 2009 Sony Pictures Releasing GmbH)

Nun hat die Regierung die Firma MNU damit beauftragt, die nutzlosen Aliens umzusiedeln. Der nerdige Bürokrat Wikus van de Merwe (super: Sharlto Copley) zieht mit einem Trupp Leute von Tür zu Hütten-Tür, um den Aliens frohgemut die Räumungs-Botschaft zu bringen und ihnen eine Unterschrift abzuschwatzen. Wen schert's, wenn nicht jeder ihn versteht? Ganz nebenbei killt der seitengescheitelte Pullunder-Träger auch noch den in der Brut-Hütte befindlichen Nachwuchs in spe.

Doch dann passiert's - van de Merwe kriegt ein paar Spritzer Alien-Blut ab und schon bald beginnt seine Metamorphose. Langsam aber stetig. Plötzlich ist er der wertvollste Mensch auf dem Planeten, nach ihm wird gefahndet. Er findet im District 9 Unterschlupf und bildet bald mit dem Alien Christopher und dessen Sohn eine Notgemeinschaft. Kann Wikus die Metamorphose stoppen? Währenddessen verbreitet Wikus Schwiegervater Piet Smit (Louis Minnaar) in den Medien Lügen über ihn und seine Frau Tania (Vanessa Haywood) hat keine Ahnung, was sie glauben soll. Es beginnt ein Kampf um's Überleben... (Foto links: Wikus van de Merwe auf der Flucht © 2009 Sony Pictures Releasing GmbH)
Am Anfang des Films bekommen wir Ausschnitte aus Nachrichtensendungen gezeigt und ein Kamerateam begleitet Wikus bei seiner Mission in den District 9. Die Wackelkamera-Szenen lassen schon befürchten, dass das wieder ähnlich nervig wie bei diversen Vorgängern wird (zuletzt das grauenvolle Quarantäne), doch weit gefehlt. Der spannende Film läuft nach dieser Einführung in die Situation zur Hochform auf.

Die Drehbuchautoren Neill Blomkamp & Terri Tatchell haben sehr genau beobachtet, wie sich Rassismus und die Mißhandlung der ärmsten Bevölkerungsschicht im Alltag immer wieder zeigt, manchmal begleitet von politisch korrekt hingedrehter Rhetorik, oft leise und unbemerkt. Apropos Rhetorik - "schnell und sauber" soll die Räumung werden. Hm, wo nur habe ich das schon einmal gehört - und wurde das nicht ähnlich kompliziert wie in District 9?

Der Titel District 9 wurde vermutlich vom ehemaligen südafrikanischen Armenbezirk District 6 inspiriert, dessen Bewohner in den 60ern zwangsumgesiedelt wurden. Sowas regelt sich heute in der westlichen Welt bekanntlich mehr oder weniger automatisch über die Höhe der Mieten.

Fast möchte man die Vorwarnung von Wikus mit seinem Umsiedlungsvertrag als menschlich und zivil verbuchen, geht's doch in der Realität oft nicht so zu, wie wir im Mai 2009 aus Mumbai hörten. Reiner Zufall, dass in dem indischen Slum, das ohne Vorwarnung niedergewalzt wurde, Darsteller aus dem Film Slumdog Millionär lebten. Bei der Räumung wurde auch Gewalt angewandt, es gab Verletzte. Nur auf Druck der entrüsteten Bevölkerung haben sich die Filmemacher von Slumdog Millionär (bisheriges Bruttoeinspielergebnis: über 377 Millionen US $, dazu kommen noch die DVD-Zahlen...) dann dazu entschlossen, ihren in Armut lebenden Darstellern finanzielle Hilfe in unbekannter Höhe zu leisten. Pressebericht, engl. NB: Slumdog Millionär wurde zwar für 10 Oscars nominiert und hat 8 davon gewonnen, nahm auch Teile des Casts mit zur Veranstaltung, doch -- kein Schauspieler wurde nominiert, weder Nebendarsteller noch Hauptdarsteller und die indische Ko-Regisseurin wurde auch selten erwähnt.

Das Katzenfutter ist eine spitze Anspielung darauf, dass sich der Sprache nicht mächtige Menschen lange Zeit auch von Hunde- und Katzenfutter ernährten. Als man das herausfand, wurde verordnet, dass auf Tierfutter Tiere abgebildet sein müssen. Ob die Aliens in District 9 tatsächlich eine Vorliebe für Katzenfutter haben oder ob diese Vorliebe einfach nur daher kommt, dass die raffgierigen Händler nichts anderes in den Bezirk brachten? Wie wohl die Qualität des Angebots der Supermärkte großer Ketten in den ärmsten Stadtteilen (verglichen mit denen in anderen Stadtteilen) hierzulande aussieht?

Dass Wikus als "Mischling" plötzlich heißbegehrt ist, spiegelt eher zufällig ein auffälliges Phänomen in der westlichen Kultur der Gegenwart wider. Gerade so, als wäre die One-drop Rule noch gültig, feiern die USA ihren "schwarzen" Präsidenten und bedankt sich Halle Berry für ihren Oscar, den sie als "erste schwarze" Schauspielerin für die Kategorie Beste Hauptdarstellerin erhalten hat. Man "muss" anscheinend eine "Rasse" wählen und nimmt die, die einem die Umwelt automatisch aufgrund des Aussehens zuordnet, wie Berry auch einmal im Interview sagte. Dementsprechend wählt dann Wentwort Miller nicht schwarz sondern weiß, was auch das Thema des Filmes Der menschliche Makel ist, in dem er den Protagonisten in jungen Jahren spielt.

Dass es akzeptierte und weniger beliebte "Ausländer" gibt, je nach Herkunftsland, drückt einer der im Film interviewten schwarzen Rassisten aus, wenn er sagt "wenigstens stamme ich von diesem Planeten!". Ähnliche reiche Kulturen werden eher als gleichwertig angesehen und angenommen als ärmere und fremd anmutende Kulturen, wie man z. B. am Erfolg eines schwedischen Möbelhauses sehen kann. Oder an der Bekanntheit des Autors Mankell, der auch schon 'mal über den Rassismus in seiner Heimat schreibt, eingebettet in einen Krimi.

Dass das Sci-Fi Genre sehr dazu geeignet ist, uns den Spiegel vorzuhalten und zum Nachdenken zu bewegen - und dabei noch gut zu unterhalten -, hat sich immer wieder gezeigt. District 9 ist ein weiteres Highlight.

District 9 -- Genre: SciFi/Action -- Deutschland-Premiere: Fantasy Filmfest 09, deutscher Kinostart: 10.09.09 -- Länge: 112 Minuten -- FSK: ab 16 Jahren
Drehbuch: Neill Blomkamp & Terri Tatchell
Regie: Neill Blomkamp

District 9 Cast:
Wikus van de Merwe - Sharlto Copley
Koobus Venter - David James
Christopher u. a. - Jason Cope
Piet Smit - Louis Minnaar
Tania van de Merwe - Vanessa Haywood


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25.09.2009

Friendship! Trailer - mit Matthias Schweighoefer

Der deutsche Kinostarttermin für die Komödie Friendship! mit Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke wurde gerade verschoben - auf den 14.01.2010. Schade eigentlich, denn Friendship! ist nicht nur extrem witzig, es hat auch viel Gefühl und hätte uns die Vorweihnachtszeit verschönt.

Zwar geht's um zwei Ossis und ihre Abenteuer in den USA, aber der Film wird bei jedem erfahrenen Tramper - vor allem aus der prä-Mitfahrzentralen- und Prä-Geiz-ist-geil-Ära - auf eine Menge Gegenliebe stoßen, denn er schafft es, ein Lebensgefühl einzufangen. Wir alle haben Geschichten auf Lager, von denen wir sagen: Das glaubt dir kein Mensch! Geschichten von irren Zufallsketten und der Großzügigkeit völlig Fremder, von Zufallsbekanntschaften und grenzüberschreitenden Freundschaften - im realen Leben;)

Friendship! basiert auf wahren Begebenheiten. Und das glaube ich auf's Wort. Der Film fühlt sich total authentisch an und hat mich an meine eigenen Geschichten erinnert. Ob Italien, USA oder Frankreich -- in einem fremden Land zu trampen ist eine Erfahrung, bei der es unerheblich ist, ob Ossi oder Wessi, es ist immer lustig, spannend und einfach unvergesslich. Also: vormerken!

Friendship! Trailer deutsch (längere Version)



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24.09.2009

Hachiko Trailer + Video

Update: Hachiko Kritik + Trailer 

Endlich gibt's einen deutschen Trailer und ein Filmplakat zu dem Film Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft mit Richard Gere (Das Lächeln der Sterne) und auch noch ein Behind the Scenes Video. [deutscher Kinostart: 12.11.2009]

Update: Inzwischen ist bereits die DVD erschienen. Zur DVD hier klicken.

In dieser amerikanischen Adaption der wahren japanischen Geschichte, die erstmals 1987 unter dem Titel Hachiko monogatari verfilmt wurde, spielt Richard Gere den Musikprofessor Parker Wilson, der den Akita-Welpen Hachiko am Bahnhof findet. Seine Frau Cate (Joan Allen, Death Race) ist zuerst nicht begeistert von dem "Hausgast".... Mit dabei ist auch Jason Alexander, wohl am besten bekannt aus der TV-Serie Seinfeld, in der er George Costanza spielte. [weiter nach dem Trailer]

Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft Trailer deutsch



In dem Behind the Scenes Video unten sehen wir die knuffigen Akita-Hunde bei der Arbeit am Set in Woonsocket, RI (Rhode Island). Die Dreharbeiten werden überwacht von einer Vertreterin der American Humane Society (AHA), die sicherstellt, dass die Tiere gut behandelt und keinen Gefahren ausgesetzt werden. Tiertrainer Boone Narr, der schon Leoparden, Elephanten und Ameisen trainiert hat, ist einer der Spitzenleute seines Fachs. Die Herausforderung hier war, dass es in Hachiko nicht um Action, sondern um Gefühle geht, die die Hunde in den betreffenden Szenen 'rüberbringen sollen. Die Akitas sind zwar sehr intelligente Hunde, aber sie sind auch sehr eigensinnig, was die Arbeit der Tiertrainer nicht gerade einfach macht... Außerdem erzählt Richard Gere am Anfang des Videos, wie er den Film Hachiko sieht.




Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft (OT: Hachi) -- Genre: Drama -- deutscher Kinostart: 12.11.2009 -- Länge: 93 Minuten -- FSK: Keine Altersbeschränkung
Drehbuch: Stephen P. Lindsey (Spielfilmdebut), basierend auf dem Drehbuch Hachiko monogatari von Kineto Shindô.
Regie: Lasse Hallström


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 Hachiko mit engl. Trailer
Kino-Hundejahr 2009: Bolt - ein Hund für alle Fälle, Das Hundehotel, Marley & Ich und jetzt also noch Hachiko.

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21.09.2009

Wie das Leben so spielt Kritik + Trailer

In seiner Eigenschaft als Produzent war Multitalent Judd Apatow in letzter Zeit zwar für viele Filme (mit-)verantwortlich, die mich alles andere als begeistert haben (Year One, Ananas Express, Stiefbrüder), doch hatte ich immer noch Vertrauen in Apatow als Drehbuchautor. Schließlich waren Leg' Dich nicht mit Zohan an (mit Co-Autoren Adam Sandler und Robert Smigel) und Walk Hard - Die Dewey Cox Story (mit Co-Autor Jake Kasdan) genial, Jungfrau (40), männlich, sucht (mit Co-Autor Steve Carell) und Beim ersten Mal (im Alleingang, auch Regie) ganz witzig und unterhaltsam.

Mit der Tragikomödie Wie das Leben so spielt versucht sich der millionenschwere und einflußreiche Apatow nun zum zweiten Mal im Alleingang und führt auch selbst Regie und - keine Überraschung - fungiert auch als Produzent. Vor diesem Hintergrund erklärt sich die Länge des Films (140 Minuten, typisch) und die Besetzung (u.a. Frau und Kinder, Kumpels und Protegés - auch nichts Neues;) von selbst. Mein Vertrauen in Apatow als Autor hat damit allerdings einen Knacks bekommen.

Wie das Leben so spielt ist ein Film für eingefleischte Judd Apatow Fans, die sich schon beim Anblick von Jonah Hill (Superbad, Nie wieder Sex mit der Ex, Walk Hard) vorfreudig auf die Schenkel klopfen und die auch bei der tausendsten Zote über die männliche Anatomie noch lachen können. Allerdings ist fraglich, ob diese sich sonderlich für die zweite Hälfte des Films interessieren werden. Die anderen Zuschauer werden während der ersten Hälfte die Zähne zusammenbeißen und sich vielleicht hinterher fragen, ob die guten Performances von Adam Sandler und Seth Rogen die Geduld wert waren...

George Simmons (Adam Sandler, Bedtime Stories, Leg' Dich nicht mit Zohan an, Chuck & Larry) ist ein äußerst erfolgreicher Komiker, der durch seine Filme und Stand-Up Acts berühmt und reich wurde. Bei den Frauen hat er leichtes Spiel, was für den Zuschauer auch gleich erklärt, weshalb er nicht mehr mit seiner Freundin Laura (Apatows Ehefrau Leslie Mann, 17 Again, Ein Mann für alle Unfälle) zusammen ist. Doch dann erfährt George von Dr. Lars (Torsten Voges, mit meterdickem Akzent, muss man im OT sehen bzw. hören;), dass er eine äußerst aggressive Form der Leukämie und nur eine sehr geringe Chance hat, dass ein neues Medikament ihn retten kann. Schluss mit lustig.

George hat beruflich das erreicht, wovon Ira Wright (Seth Rogen, Zack & Miri Make A Porno) nur träumen kann. Ira arbeitet in einem Fast Food Laden und hofft auf seinen großen Durchbruch als Komiker. George läuft ihm im Comedy Club über den Weg, ist beeindruckt und heuert ihn als Gagschreiber und Personal Assistant an. Ira wird unersetzlich, wird zum besten Freund und einzigen Vertrauten, der immer für George da ist. George will die alte Liebe mit seiner Ex Laura wieder aufleben lassen, obwohl die seit 12 Jahren mit dem Australier Clarke (auch mit dickem Akzent: Eric Bana, derzeit auch Die Frau des Zeitreisenden) verheiratet ist und zwei Töchter (Maude und Iris Apatow) mit ihm hat. Denn sie, so erkennt er jetzt, war die Liebe seines Lebens, sie war ihm wirklich wichtig. Späte Reue. [Foto: Mann, Sandler, Rogen, Bana © 2008 Universal Studios.]

Apatow hat keinen klaren Fokus und versucht statt dessen, eine Unmenge verschiedener Dinge unter einen Hut zu bringen. Das fängt schon damit an, dass er die Geschichte, diese Bromance, nicht nur aus einem Blickwinkel erzählt, sondern abwechselnd aus Iras und aus Georges POV (Point of View). Es gibt einen Grund, weshalb die meisten romantischen Komödien (und eine Bromance ist vergleichbar) nur aus einem Blickwinkel erzählt werden. Wer das jemals in Frage gestellt hat (ähem, ja nun... (kleinlaut) ich), der hat mit Wie das Leben so spielt jetzt ein wunderbares Gegenbeispiel. Aus nur einem POV die Geschichte zweier Menschen und ihrer Beziehung zu schreiben, ist ungleich schwieriger. Schon allein die Frage, wessen Blickwinkel man wählen soll, ist oft nicht einfach zu beantworten. Es bedarf einiger Kniffe (und der einen oder anderen "Mogel-Szene";), die Geschehnisse im Leben der anderen Person und deren Gedanken und Motivation geschickt einzuarbeiten. Apatow hat sich diese Schwerarbeit erspart und das merkt man diesem Film eben an.

Bevor jetzt Kommentare wie "Apatow ist eben ein Genie, das sich nicht an Formeln und Genre Konventionen hält" kommen --- Apatow hält sich sehr wohl an die Konventionen und Formeln der romantischen Komödie. Es gibt die "Sie lernen sich kennen" Szene, weiter geht's mit "sie verlieben sich und die Beziehung vertieft sich", dann gibt's den "störenden Dritten", in Akt III kommt "sie streiten und trennen sich" und das Ende entspricht auch den Konventionen. Wenn ich Lust hätte, mir den Film nochmals genauer anzusehen, fände ich vermutlich noch mehr, doch so aus dem Stand ist das doch schon mehr als genug.

Iras Blickwinkel beinhaltet auch seine Mitbewohner, weil - welch Glück - man damit auch noch gleich richtig den Konkurrenzkampf unter den Komikern und, wenn wir schon 'mal dabei sind, auch noch den Unterschied zwischen Schauspieler und Komiker 'reinbringen kann kann. Aus diesem Grund muss der Zuschauer besonders in der ersten Hälfte des Films viel Geduld aufbringen und sich eine Menge unlustiger Comedy und abgestandener Witze und Beobachtungen über die männliche Anatomie anhören. [Diese Obsession erklärt zwar endgültig und sehr anschaulich, wie überhaupt jemand (ein Mann, was sonst?) jemals auf die Idee kommen konnte, es gäbe so etwas wie "Penisneid", aber so genau wollten wir's gar nicht wissen...] Anders ausgedrückt: Wäre das Drehbuch von Autor XY gekommen, hätte sich vermutlich kein Agent gefunden, der es in seinem Namen so bei einer Produktionsfirma eingereicht hätte.

George bezahlt Ira nicht nur fürstlich, sondern gibt ihm auch Tipps, wie er bei den Frauen mehr Glück haben kann. Ira hofft, damit - irgendwann, gut Ding will Weile haben! - bei seiner Angebeteten, der Comedienne Daisy (Aubrey Plaza) landen zu können. Dumm nur, dass sein Mitbewohner Mark (Jason Schwartzman, Walk Hard) gerade einen Erfolg als Schauspieler verzeichnen kann und ankündigt, mit Daisy in's Bett zu gehen, wenn Ira sie nicht innerhalb 10 Tagen klarmachen kann. Auch der zweite Mitbewohner, Leo Koenig (Jonah Hill), ist ein Konkurrent, allerdings ein beruflicher. Nach Leos Theorie hat Ira sich mit seiner Gewichtsabnahme (er hat jetzt Normalgewicht) selbst das Geschäft versaut, denn "fett ist lustig". [Foto: Hill, Schwartzman, Rogen. © 2008 Universal Studios]

Die Figur des gutaussehenden Schauspielers Mark erlaubt es Apatow, einen Seitenhieb auszuteilen. Schließlich ist es doch irgendwie ungerecht, dass so ein Typ selbst für eine Rolle in einer grottigen Soap fünfstellige Schecks nach Hause bringt, während die Komiker vor sich hin krebsen und selbst mit gutem Material (das wir nie zu sehen kriegen, aber egal) oft für lau auf der Bühne stehen. Das bringt er gut 'rüber. Der unansehnliche Jonah Hill dagegen ist völlig überflüssig und seiner Figur kaufen wir nichts ab, er nervt nur (wieder einmal).

Es ist nur schwer vorstellbar, dass es Ira mit diesen beiden Tieffliegern lange aushalten, geschweige denn eine Freundschaft pflegen und zusammenwohnen würde. Ausgerechnet Ira, der eher schüchtern ist und noch einen Rest Respekt für Frauen hat? Dass Ira sich um den sterbenskranken George kümmert, das macht ja Sinn, aber diese Kumpels? Ira ist hier klar ein Außenseiter.

Letztlich kaufen wir die Bromance, die Männerfreundschaft zwischen Ira und George, denn wir sehen, genau wie Ira, George alleine und verängstigt gegen seine Krankheit kämpfen. Wir sehen, wie er einer verpassten Chance nachtrauert und machtlos ist. Es bedarf noch nicht einmal der Intervention von Ira, der endlich bereit ist, für seine Grundsätze einzustehen und den Mund aufzumachen, auch wenn es ihn seinen Job und einen Freund kostet. Und mit dieser Bereitschaft schafft Ira endlich die Voraussetzung für eine glaubhafte und funktionierende Freundschaft - auch in guten Tagen. [Foto: Sandler & Rogen, © 2008 Universal Studios]

Wie das Leben so spielt -- Genre: Drama/Tragikomödie -- deutscher Kinostart: 17.09.09 -- Länge: 140 Minuten -- FSK: nicht bewertet.
Buch & Regie: Judd Apatow

Wie das Leben so spielt Trailer deutsch


Wie das Leben so spielt Trailer engl. OT: Funny People



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