Vor 20 Jahren strandete ein Raumschiff mit 1 Mio. Aliens an Bord über Kapstadt. Die nicht gerade knuffig aussehenden Kreaturen stellen zwar keine Bedrohung für die Menschheit dar, aber sie nutzen auch nichts. Ihre eindrucksvolle Technologie funktioniert nämlich nur

Nun hat die Regierung die Firma MNU damit beauftragt, die nutzlosen Aliens umzusiedeln. Der nerdige Bürokrat Wikus van de Merwe (super: Sharlto Copley) zieht mit einem Trupp Leute von Tür zu Hütten-Tür, um den Aliens frohgemut die Räumungs-Botschaft zu bringen und ihnen eine Unterschrift abzuschwatzen. Wen schert's, wenn nicht jeder ihn versteht? Ganz nebenbei killt der seitengescheitelte Pullunder-Träger auch noch den in der Brut-Hütte befindlichen Nachwuchs in spe.
Doch dann passiert's - van de Merwe kriegt ein paar Spritzer Alien-Blut ab und schon bald beginnt seine Metam

Am Anfang des Films bekommen wir Ausschnitte aus Nachrichtensendungen gezeigt und ein Kamerateam begleitet Wikus bei seiner Mission in den District 9. Die Wackelkamera-Szenen lassen schon befürchten, dass das wieder ähnlich nervig wie bei diversen Vorgängern wird (zuletzt das grauenvolle Quarantäne), doch weit gefehlt. Der spannende Film läuft nach dieser Einführung in die Situation zur Hochform auf.
Die Drehbuchautoren Neill Blomkamp & Terri Tatchell haben sehr genau beobachtet, wie sich Rassismus und die Mißhandlung der ärmsten Bevölkerungsschicht im Alltag immer wieder zeigt, manchmal begleitet von politisch korrekt hingedrehter Rhetorik, oft leise und unbemerkt. Apropos Rhetorik - "schnell und sauber" soll die Räumung werden. Hm, wo nur habe ich das schon einmal gehört - und wurde das nicht ähnlich kompliziert wie in District 9?
Der Titel District 9 wurde vermutlich vom ehemaligen südafrikanischen Armenbezirk District 6 inspiriert, dessen Bewohner in den 60ern zwangsumgesiedelt wurden. Sowas regelt sich heute in der westlichen Welt bekanntlich mehr oder weniger automatisch über die Höhe der Mieten.
Fast möchte man die Vorwarnung von Wikus mit seinem Umsiedlungsvertrag als menschlich und zivil verbuchen, geht's doch in der Realität oft nicht so zu, wie wir im Mai 2009 aus Mumbai hörten. Reiner Zufall, dass in dem indischen Slum, das ohne Vorwarnung niedergewalzt wurde, Darsteller aus dem Film Slumdog Millionär lebten. Bei der Räumung wurde auch Gewalt angewandt, es gab Verletzte. Nur auf Druck der entrüsteten Bevölkerung haben sich die Filmemacher von Slumdog Millionär (bisheriges Bruttoeinspielergebnis: über 377 Millionen US $, dazu kommen noch die DVD-Zahlen...) dann dazu entschlossen, ihren in Armut lebenden Darstellern finanzielle Hilfe in unbekannter Höhe zu leisten. Pressebericht, engl. NB: Slumdog Millionär wurde zwar für 10 Oscars nominiert und hat 8 davon gewonnen, nahm auch Teile des Casts mit zur Veranstaltung, doch -- kein Schauspieler wurde nominiert, weder Nebendarsteller noch Hauptdarsteller und die indische Ko-Regisseurin wurde auch selten erwähnt.
Das Katzenfutter ist eine spitze Anspielung darauf, dass sich der Sprache nicht mächtige Menschen lange Zeit auch von Hunde- und Katzenfutter ernährten. Als man das herausfand, wurde verordnet, dass auf Tierfutter Tiere abgebildet sein müssen. Ob die Aliens in District 9 tatsächlich eine Vorliebe für Katzenfutter haben oder ob diese Vorliebe einfach nur daher kommt, dass die raffgierigen Händler nichts anderes in den Bezirk brachten? Wie wohl die Qualität des Angebots der Supermärkte großer Ketten in den ärmsten Stadtteilen (verglichen mit denen in anderen Stadtteilen) hierzulande aussieht?
Dass Wikus als "Mischling" plötzlich heißbegehrt ist, spiegelt eher zufällig ein auffälliges Phänomen in der westlichen Kultur der Gegenwart wider. Gerade so, als wäre die One-drop Rule noch gültig, feiern die USA ihren "schwarzen" Präsidenten und bedankt sich Halle Berry für ihren Oscar, den sie als "erste schwarze" Schauspielerin für die Kategorie Beste Hauptdarstellerin erhalten hat. Man "muss" anscheinend eine "Rasse" wählen und nimmt die, die einem die Umwelt automatisch aufgrund des Aussehens zuordnet, wie Berry auch einmal im Interview sagte. Dementsprechend wählt dann Wentwort Miller nicht schwarz sondern weiß, was auch das Thema des Filmes Der menschliche Makel ist, in dem er den Protagonisten in jungen Jahren spielt.
Dass es akzeptierte und weniger beliebte "Ausländer" gibt, je nach Herkunftsland, drückt einer der im Film interviewten schwarzen Rassisten aus, wenn er sagt "wenigstens stamme ich von diesem Planeten!". Ähnliche reiche Kulturen werden eher als gleichwertig angesehen und angenommen als ärmere und fremd anmutende Kulturen, wie man z. B. am Erfolg eines schwedischen Möbelhauses sehen kann. Oder an der Bekanntheit des Autors Mankell, der auch schon 'mal über den Rassismus in seiner Heimat schreibt, eingebettet in einen Krimi.
Dass das Sci-Fi Genre sehr dazu geeignet ist, uns den Spiegel vorzuhalten und zum Nachdenken zu bewegen - und dabei noch gut zu unterhalten -, hat sich immer wieder gezeigt. District 9 ist ein weiteres Highlight.

Drehbuch: Neill Blomkamp & Terri Tatchell
Regie: Neill Blomkamp
District 9 Cast:
Wikus van de Merwe - Sharlto Copley
Koobus Venter - David James
Christopher u. a. - Jason Cope
Piet Smit - Louis Minnaar
Tania van de Merwe - Vanessa Haywood
District 9 Trailer deutsch
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