
Ryan Bingham (George Clooney, Michael Clayton, Ein verlockendes Spiel) verdient sein Geld damit, Arbeitnehmer zu feuern. Er fliegt quer durch die USA von Firma zu Firma und ist stolz darauf, eine Technik des "sanften Feuerns" entwickelt zu haben - eine Art humanes Töten, wenn man so will.
Ryan lebt nach dem Motto "die Reise ist das Ziel" und sammelt Flugmeilen nur zu dem Zweck, irgendwann einmal 10 Millionen Meilen gesammelt zu haben. Er ist ein treuer Kunde der Fluggesellschaften, Hotelketten und Autovermietungen. Deren Floskeln erkennt er zwar als solche, aber das ist für ihn mehr als okay. Klare Grenzen, klare Etikette. Ryan hat die Fliegerei zum Lebensstil erhoben und fliegt selbstredend immer nur mit Handgepäck, was viel Zeit spart.

Als Ryan

Im Laufe der Tragikomödie Up in the Air lernen wir Ryan langsam näher kennen und bald vermuten wir, dass er eine traurige Geschichte von Liebe und Betrug erzählen könnte. Er ist keineswegs der typische eindimensionale Hollywood Klischee-Single, der sich für niemanden interessiert oder einsetzt. Als seine Schwester Julie (Melanie Lynskey, Away We Go - Auf nach Irgendwo) ihn darum bittet, ein recht großes Foto von ihr und ihrem Verlobten Jim (Danny McBride, Die fast vergessene Welt) mit auf seine Reisen zu nehmen und es jedes Mal in's Bild zu halten, wenn er - auch wie gewünscht - von jedem Flughafen ein Foto macht, kommt er diesem Wunsch gerne und ohne zu murren nach. Obwohl das auf Karton aufgezogene Foto nicht in seinen Trolley passt. Er behütet das sperrige Ding, als sei es ein Lebewesen. Er fühlt sich gut, er wird gebraucht, er bringt seinen Einsatz. Er ist der Held.
Um so enttäuschender ist die Erkenntnis, dass seine Familie ihn nicht für einen Helden hält und seinen Einsatz nicht würdigt. Ryan muss ähnliche Enttäuschungen erleben wie Dustin Hoffmans Harvey Shine in Liebe auf den zweiten Blick. Allerdings würde sich Ryan Bingham die Enttäuschung natürlich niemals anmerken lassen. Das würde nicht zu seinem Image passen. Wir verstehen, dass Ryan gerne für jemanden die Nummer Eins wäre. Doch das einzige, worauf er sich wirklich verlassen kann, sind die standardisierten Begrüßungsfloskeln der Flugbegleiter und Hotelangestellten, die die vereinbarten Dienste leisten. Kein Betrug, keine Enttäuschungen.
Letztlich haben wir allerdings den Eindruck, dass Ryan Bingham sich in Zukunft damit nicht mehr zufriedengeben werden kann. Er hat seine Schutzmauer niedergerissen. Auch wenn er sich anfänglich wie der Macker fühlte, so ist er doch der Willkür seines Arbeitgebers ausgesetzt. Bingham ist klar geworden, dass er dieses Mal mit einem blauen Auge davonkam. Für sein neues Leben wird sich der Mann mit den "altmodischen" Werten allerdings warm anziehen müssen...
George Clooney wurde für einen Oscar in der Kategorie Bester Hauptdarsteller nominiert, Anna Kendrick und Vera Farmiga mussten leider in der Kategorie Beste Nebendarstellerin gegeneinander antreten. Farmiga hätte ich den Gewinn gegönnt, die Nominierung von Kendrick verstehe ich nicht so ganz. In Twilight - Biss zur Morgenstunde und New Moon - Biss zur Mittagsstunde (und demnächst Eclipse - Biss zum Abendrot) spielt sie die nervige Jessica, hier spielt sie die höchst unsympathische Natalie. In ihren Interviews kommt sie ähnlich 'rüber, von daher... Aber beide hatten natürlich keine Chance bei der Konkurrenz... (siehe Oscars 2010)
Jetzt auf DVD: > Up in the Air
Up in the Air -- Genre: Tragikomödie -- deutscher Kinostart: 04.02.2010 -- Länge: 110 Minuten -- FSK: ohne Altersbeschränkung
Drehbuch: Sheldon Turner und Jason Reitman, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Walter Kirn.
Regie: Jason Reitman
Up in the Air Trailer deutsch
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